Waking the Dead

Proposal for exhibition at Autocenter, January 2010

“How can we recuperate the necessary ability to explore the past and yet not lose sight of the future? … Artists seem to be once again interested in opening a window onto a very intimate reality, instead of just speculating about the limits of representation.” - Maurizio Cattelan, Massimiliano Gioni and Ali Subotnick, Of Mice and Men, 2006

“By other men's labours we are led to the sight of things most beautiful that have been wrested from darkness and brought into light; from no age are we shut out, we have access to all ages, and if it is our wish, by greatness of mind, to pass beyond the narrow limits of human weakness, there is a great stretch of time through which we may roam.” – Seneca, De brevitate vitae

It seems that at the beginning of the 21st century the trajectory of art history, which started in the 19th century and was radicalized by the historical avant-garde has been exhausted. Yet without a viable alternative many artists have been turning to modernism’s beginnings or the moments of its most startling breaks with history, either as an ironic commentary or a nostalgic longing for lost utopian dreams. Yet what remain are often the forms removed from their historical context, emptied of their content.

At the same time some artists are looking to a broader range of art history and incorporating that into their practice. While there is no return to the past, which is not only impossible but also undesirable, the only rule left to break is to consciously learn from those who came before modernism.

The artists in “Waking the Dead” are not confined by what has become the new academic mode: navel-gazing and an insistence on perpetually reinventing the wheel. They look to sources both old and new and open doors to new worlds. This is internalized and expressed in individual ways that, although stylistically different, offer art for reflection instead of sensation, for re-inventing myth or exploring the human spirit instead of de-mystifying and deconstructing for the thousandth time. Although these impulses are not only present in figurative painting and drawing, this exhibition focuses on these media for clarity’s sake and to shed light on a side of the art world often pushed to the peripheries of discourse.

In his book “DADA: Art and Anti-Art”, artist, film-maker and sometime Dadaist Hans Richter writes about a Valesquez painting of a court lady at the Kaiser Friedrich Museum in Berlin: “She was neither beautiful nor ugly, but a goddess, and had such presence that I never overcame my diffidence for one instant, although I copied the picture for months on end. This diffidence was not inspired by the woman but by the artist, whose soul had reached up to heaven and who had set up a court lady to speak to us from Olympus.” This is why great art continues to speak to us through the ages. Richter then writes about art’s continual need for the “new” blurring the distinction between good, bad and indifferent art. “Thus avant-garde exhibitions appear, which admittedly give youth it’s due, but make the task of the public galleries difficult by offering the public entertainment rather than objects of contemplation, which is what real works of art are. I still think that one person who meditates before a work of art is worth more than thousands who just gawp.”

Deutsche Fassung:

"Wie können wir die notwendige Fähigkeit zurückgewinnen, die Vergangenheit zu erkunden und dennoch die Zukunft nicht aus den Augen zu verlieren?” - Maurizio Cattelan, Massimiliano Gioni und Ali Subotnick, Von Mäusen und Menschen, 2006

"Zum Edelsten und Schönsten, das durch die Mühe anderer aus der Finsternis ans Licht gebracht wurde, werden wir hingeführt. Kein Zeitalter ist uns verschlossen, zu allen haben wir ∏Zutritt, und wenn wir hochgemut die Schranken menschlicher Schwäche überschreiten wollen, dann tut sich ein großer Zeitraum auf, den wir durchwandern können.” – Seneca, De brevitate vitae

Am Anfang des 21. Jahrhunderts scheint es, dass die Bewegungsbahn der Kunstgeschichte, die im 19. Jahrhundert anfing und durch die historische Avantgarde radikalisiert wurde, sich erschöpft hat. Weil es jedoch keine überlebensfähige Alternative gibt, haben viele Künstler sich mehr und mehr den Ursprüngen der Moderne oder deren größten Brüchen der Geschichte zugewandt. Dies nimmt meistens die Form eines ironischen Kommentars oder einer nostaligischen Sehnsucht nach verlorenen utopischen Idealen an. Was aus diesen Impulsen entsteht, sind oft die Formen der frühen Moderne ohne den historischen Kontext und von den ursprünglichen Inhalten entleert.

Zugleich gibt es Künstler, die sich einem breiteren Spektrum der Kunstgeschichte zuwenden und dieses in ihre künstlerische Praxis miteinbeziehen. Es ist nicht nur unmöglich, sondern auch nicht erwünschenswert, zu einer vermeintlichen Vergangenheit zurückzukehren. Oft scheint es jedoch, dass das einzige Tabu, das noch bleibt, bewusst von den Künstlern der Vormoderne zu lernen ist. Es geht nicht nur darum, Vergessenes und Verschollenes neu zu beleben, sondern es neu zu interpretieren, auf eine Art, die nur vom Jetzt sprechen kann, ohne zu einer Augenblickerscheinung verdammt zu sein.

Die Künstler in „Waking the Dead“ beschränken sich nicht auf das, was man als den neuen Akademismus beschreiben kann: eine Art Nabelschau und Zwang, das Rad immer wieder neu zu erfinden. Sie nehmen Inspirationen von alten sowie von neuen Quellen und öffnen damit Türen zu neuen Welten. Jeder Künstler bringt damit einen hoch-individuellen Ausdruck zum Vorschein, im Stil wie im Inhalt. Jeder der Künstler bietet jedoch eine Kunst der Reflexion anstatt der Sensation an, eine Wiedererfindung von Mythen und eine Erforschung des menschlichen Geistes anstatt einer Demystifizierung und Dekonstruktion zum 1000. Mal.

Obwohl diese Impulse nicht nur in der figurativen Malerei und Zeichnung zu finden sind, stellt diese Ausstellung jene Positionen in den Vordergrund; Der Klarheit wegen, und, um eine Seite der Kunstwelt zu zeigen, die oft an den Rand des Diskurses gedrängt wird.

In seinem Buch „DADA: Kunst und Antikunst,“ schreibt der Künstler, Filmemacher und Dadaist Hans Richter über ein Velasquez Gemälde einer Hofdame im Kaiser-Friedrich-Museum in Berlin: „Sie war weder schön noch häßlich, sondern eine Göttin mit einer solchen Präsenz, dass ich meine Zaghaftigkeit keinen einzigen Moment überwinden konnte, obwohl ich das Bild Monate hindurch kopiert hatte. Diese Zaghaftigkeit wurde nicht von der Frau, sondern von dem Künstler inspiriert, dessen Seele in den Himmel reichte, um uns eine Hofdame zu stellen, die vom Olymp zu uns herab sprach.“ Deshalb spricht uns große Kunst noch durch verschiedene Zeitalter an. Richter berichtet weiter von dem Verlangen nach dem Neuen in der Kunst und wie dieses Verlangen die Grenzen zwischen guter, schlechter, und gleichgültiger Kunst verwischt. „Also enstehen avantgarde Ausstellungen, die zugegebenermaßen der Jugend Ehre gebühren. Sie machen es aber den öffentlichen Galerien schwer, in dem sie dem Publikum Unterhaltung anstatt Objekte der Kontemplation anbieten, wie echte Kunstwerke es sind. Ich glaube immer noch, dass eine Person, die vor einem Kunstwerk meditiert, mehr Wert ist als Tausende, die nur staunen.“

Artists in “Waking the Dead”:

Armin BOEHM

Matt BOHAN

Piot BREHMER

Axel GEIS

Daniel KINGERY

John KLECKNER

Barbora KYSILKOVA

Ryan MCLAUGHLIN

Michael VAN OFEN

Christian PILZ

Dennis RUDOLPH

Dimitris TZAMOURANIS

Michael WUTZ

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